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«Es
macht mich glücklich, etwas Zerbrochenes so zu reparieren,
dass der Besitzer oder die Besitzerin wieder Freude daran
hat.»
Der
Porzellandoktor
Rolf
Neff ist «Chefarzt» in der Winterthurer
Porzellan-Klinik. Wie ein
richtiger Chirurg ist auch er stolz, wenn er bei einem komplizierten
Eingriff erfolgreich war.
Die
chinesische Vase galt als hoffnungsloser Fall. Die Besitzerin, eine
Frau aus Frick AG, hatte sie fallen lassen, und beim Aufprall auf den
Boden zersplitterte das kostbare Stück in hunderte von kleinen
und
kleinsten Scherben. Als die Vase notfallmässig per Post in die
Porzellan-Klinik in Winterthur eingeliefert wurde, kam sie auf die
Station von «Professor» Neff.
Der
49-jährige Rolf Neff ist seit langem als Unfallchirurg der
besonderen
Art tätig. Früher operierte der gelernte
Radioelektriker Fälle wie
stumme Lautsprecher oder blinde Bildschirme, doch seit gut einem Jahr
sind seine Patienten aus Ala-baster, Kristall oder Porzellan und leiden
an zumeist komplizierten Brüchen.
Alles
begann mit etwas Glück
«Eigentlich
kam ich über eine Zeitungsanzeige zu meinem neuen
Job», sagt Neff und
lacht über das Bild vom wandelbaren Operateur. «In
diesem Inserat las
ich, dass Fritz Rutschmann, ein 60-jähriger ehemaliger
Zahntechniker,
jemanden suchte, der ihm bei den Arbeiten in seiner Reparatur- und
Restaurationswerkstätte zur Hand ging.» Neff meldete
sich und bekam die
Chance, sozusagen als Assistenzarzt in der Porzellan-Klinik anzufangen.
Inzwischen
hat der gebürtige Zürcher die Notfallstation der
aussergewöhnlichen Art
im Zentrum von Winterthur übernommen, und die defekten
Objekte, meist
Opfer von Haushaltsunfällen, kommen aus der ganzen Schweiz.
«Da ist die
profane Kaffeetasse mit kaputtem Henkel genauso dabei wie der filigran
gearbeitete Hirsch mit den versehentlich amputierten
Hörnern», sagt der
Retter der Raritäten. Für die Kosten kommt aber keine
Krankenkasse auf,
sondern in der Regel der Verursacher. Je nach Schwere des Falls
berechnet Professor Neff ein Honorar zwischen 80 und 1000 Franken.
In
der Porzellan-Klinik hantiert das Personal mit Schleifmaschine,
Farbpinsel und Restaurationsmasse. Der Linkshänder Neff
fügt
Bruchstellen so raffiniert zusammen und fertigt neue Dekorpartien so
originalgetreu, dass niemand mehr die Reparaturstelle erkennen kann. Er
malt, lasiert, lackiert, er rennt und brennt.
Alles
erhält eine Behandlung
Wie
in der Medizin brauchen auch beim Porzellandoktor ein komplizierter
Eingriff und die Nachbehandlung ihre Zeit. «Unter vierzehn
Tagen geht
gar nichts», sagt Rolf Neff. «Bei einem
Porzellanteil dauert nur schon
die Phase im Brennofen mindestens drei Tage, inklusive
Abkühlung.»
Und
wie ein richtiger Arzt ist auch der Porzellandoktor stolz auf
erfolgreiche Eingriffe. «Es macht mich glücklich,
wenn ich etwas
Zerbrochenes so reparieren kann, dass der Besitzer oder die Besitzerin
wieder Freude daran hat», sagt Neff. Dann ruft er kurz seine
Lebenspartnerin Renate Joder an, um ihr mitzuteilen, dass es
«heute
etwas später» wird, und macht sich daran, das
nächste zerbrochene
Kunstwerk zu untersuchen.
Text
Antoinette Rettus
Bilder
Mavin Zilm
Mehr
Infos im Internet unter www.porzellan-klinik.ch
oder über Telefon 052 - 212
03 63.
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